- Die Analdrüsen (Analbeutel) sind zwei kleine Säckchen links und rechts vom After. Sie geben bei jedem Kotabsatz ein streng riechendes Sekret ab, das der Duftmarkierung dient.
- Problematisch wird es, wenn die Beutel sich stauen, verstopfen, sich entzünden oder ein Abszess entsteht. Häufigstes Warnzeichen ist das Schlittenfahren, also das Rutschen auf dem Po.
- Ein gesunder Hund entleert die Drüsen von selbst. Routinemässiges Ausdrücken ohne Beschwerden ist nicht nötig und kann sogar schaden.
- Nötiges Ausdrücken gehört in die Tierarztpraxis. Falsches Drücken zu Hause kann die Drüsen verletzen.
- Der beste Schutz ist eine faserreiche Ernährung, ein gesundes Gewicht und ein fester Kot. Bei Schmerzen, Schwellung oder Blut gehst du zeitnah zur Tierärztin.
Dein Hund rutscht plötzlich mit dem Hintern über den Teppich, leckt sich auffällig oft am Po oder verströmt einen strengen, fischigen Geruch? Dann sind oft die Analdrüsen im Spiel. Die kurze Antwort vorweg: In den meisten Fällen ist das gut behandelbar, und du kannst mit der richtigen Fütterung viel vorbeugen. Dieser Ratgeber erklärt dir der Reihe nach, was die Analdrüsen sind, welche Probleme auftreten, woran du sie erkennst, wann Ausdrücken sinnvoll ist und warum das besser in die Tierarztpraxis gehört als auf deine eigene Hand.

Was sind die Analdrüsen und wofür sind sie da?
Die Analdrüsen, genauer Analbeutel genannt, sind zwei kleine Säckchen, die etwa auf vier und acht Uhr rund um den After liegen. Jeder Beutel ist über einen feinen Gang mit dem Ausgang verbunden und mit einer Drüsenwand ausgekleidet, die ein öliges, sehr streng riechendes Sekret bildet. Der Merck Veterinary Manual (2023) beschreibt sie als modifizierte Talg- und Schweissdrüsen, deren Sekret jeder Hund so individuell zusammensetzt wie einen Fingerabdruck.
Beim Kotabsatz drückt der feste Stuhl gegen die Beutel und presst einen kleinen Teil des Sekrets mit heraus. So markiert dein Hund seinen Kot mit der eigenen Duftnote. Das ist auch der Grund, warum sich Hunde bei der Begrüssung so ausgiebig am Hinterteil beschnuppern: Sie lesen dort quasi den Ausweis des Gegenübers. Bei einem gesunden Tier läuft dieses Entleeren völlig unbemerkt ab, du bekommst davon im Alltag nichts mit.
Die Beutel selbst sind bei einem mittelgrossen Hund etwa erbsen- bis haselnussgross. Weil sie tief unter der Haut liegen, sind sie von aussen kaum zu ertasten, solange alles in Ordnung ist. Genau deshalb merkst du ein beginnendes Problem meist nicht am Beutel, sondern am Verhalten deines Hundes. Er reagiert auf ein Gefühl, das du nicht sehen kannst, und zeigt dir über Lecken oder Rutschen, dass etwas nicht stimmt.
Welche Probleme können auftreten?
Die tiermedizinische Fachliteratur, unter anderem der Merck Veterinary Manual und die Cornell University College of Veterinary Medicine, unterscheidet grob drei Stufen, die ineinander übergehen können. Wichtig ist: Nicht jede Stufe braucht dieselbe Behandlung, und je früher du reagierst, desto einfacher bleibt es.
Gestaute oder verstopfte Analbeutel
Wird das Sekret nicht ausreichend abgesetzt, staut es sich. Es wird dicker, manchmal fast pastös, und der feine Ausführungsgang verstopft. Der Hund spürt Druck und Juckreiz, die Drüse selbst ist aber noch nicht entzündet. Das ist die häufigste und harmloseste Variante, oft ausgelöst durch weichen Kot, der zu wenig Gegendruck erzeugt.
Entzündung (Analbeutelentzündung)
Bleibt der Stau bestehen, wandern Bakterien ein und der Beutel entzündet sich. Jetzt kommen Schmerzen, Rötung und manchmal blutiges oder eitriges Sekret dazu. Laut American Kennel Club (2023) ist dies der Punkt, an dem viele Hundehalterinnen erst aufmerksam werden, weil der Hund deutlich unruhiger wird.
Abszess
Wird die Entzündung nicht behandelt, kann sich ein Abszess bilden, eine schmerzhafte, mit Eiter gefüllte Schwellung neben dem After. Im schlimmsten Fall bricht dieser Abszess durch die Haut auf. Das ist der dringlichste Fall und gehört sofort in die Tierarztpraxis.
Welche Hunde häufiger betroffen sind
Grundsätzlich kann jeder Hund Analbeutelprobleme bekommen, doch einige neigen stärker dazu. Kleinere Rassen zeigen sie laut American Kennel Club (2023) öfter als grosse. Auch übergewichtige Hunde sind anfälliger, weil das Fettgewebe die Entleerung erschwert. Dazu kommen Tiere mit chronisch weichem Kot, mit Allergien oder Hautproblemen und ältere Hunde mit schwächerem Bindegewebe. Wenn dein Hund einmal betroffen war, lohnt es sich, die Region und den Kot künftig etwas aufmerksamer im Blick zu behalten.
Symptome: Woran erkennst du ein Problem?
Hunde können nicht sagen, dass es im hinteren Bereich zwickt, also zeigen sie es über ihr Verhalten. Diese Zeichen tauchen oft zuerst auf:
- Schlittenfahren: Dein Hund setzt sich hin und rutscht mit dem Po über Boden, Rasen oder Teppich. Das ist der Versuch, den Druck loszuwerden.
- Vermehrtes Lecken und Knabbern: Er beschäftigt sich auffällig oft mit seiner Analregion oder dem Rutenansatz.
- Strenger, fischiger Geruch: Ein plötzlicher, penetranter Geruch, der auch nach dem Toilettengang bleibt, deutet auf abgehendes Sekret hin.
- Sichtbares Unbehagen: Häufiges Umschauen zum Hinterteil, unruhiges Sitzen, ein eingeklemmter Schwanz oder Zwicken beim Aufstehen.
- Schmerz und Schwellung: Bei fortgeschrittenen Fällen reagiert der Hund empfindlich, es zeigt sich eine Schwellung oder feuchte, verklebte Stellen neben dem After.
Ein wichtiger Hinweis zur Ehrlichkeit: Schlittenfahren ist nicht immer die Analdrüse. Auch Würmer, Juckreiz durch Allergien oder Kotreste im Fell lösen dasselbe Verhalten aus. Wenn du bei deinem Hund an Parasiten denkst, hilft dir unser Ratgeber zu Würmern beim Hund beim Einordnen. Bleibt das Rutschen bestehen, klärt die Tierärztin die Ursache am zuverlässigsten ab.

Symptom, mögliche Ursache und was zu tun ist
Diese Übersicht hilft dir beim ersten Einordnen. Sie ersetzt keine Diagnose, gibt dir aber ein Gefühl dafür, wie dringend die Sache ist.
| Symptom | Mögliche Ursache | Massnahme |
|---|---|---|
| Gelegentliches Schlittenfahren, sonst munter | Leicht gestaute Analbeutel oder Kotreste im Fell | Region kontrollieren, Fütterung prüfen, beobachten. Bleibt es, Termin vereinbaren. |
| Häufiges Lecken am Po, strenger Geruch | Gestautes, verdicktes Sekret | In der Praxis abklären und bei Bedarf fachgerecht ausdrücken lassen. |
| Schmerz beim Sitzen, Rötung, blutiges Sekret | Analbeutelentzündung | Zeitnah zur Tierärztin, meist Spülung und entzündungshemmende Behandlung. |
| Warme Schwellung neben dem After, offene Stelle | Abszess | Sofort tierärztlich behandeln lassen, oft mit Öffnen und Antibiotikum. |
| Wiederkehrende Probleme trotz Behandlung | Chronische Analbeutelerkrankung, selten ein Tumor | Gründliche Abklärung, gegebenenfalls weiterführende Diagnostik. |
Ausdrücken: wann es nötig ist und wer es machen sollte
Hier räumen wir mit einem verbreiteten Missverständnis auf. Ein gesunder Hund braucht kein regelmässiges Ausdrücken der Analdrüsen. Der Merck Veterinary Manual und die Cornell University weisen ausdrücklich darauf hin, dass unnötiges, routinemässiges Ausdrücken die Beutel reizen, die natürliche Entleerung stören und Entzündungen sogar begünstigen kann. Ausgedrückt wird nur, wenn es Beschwerden gibt.
Wann Ausdrücken wirklich sinnvoll ist
Sinnvoll ist es, wenn dein Hund Symptome zeigt und die Untersuchung gestaute Beutel bestätigt. Manche Hunde, oft kleinere Rassen oder Tiere mit dauerhaft weichem Kot, neigen wiederholt zu Stauungen und brauchen dann in Abständen Unterstützung. Diesen Rhythmus legt ihr gemeinsam mit der Praxis fest, nicht der Kalender.
Warum das in die Tierarztpraxis gehört
Fachpersonen tasten die Beutel von innen ab und entleeren sie gezielt und vollständig, ohne die empfindliche Wand zu verletzen. Sie erkennen zudem sofort, ob es sich um einen simplen Stau oder bereits um eine Entzündung handelt, was die Behandlung verändert. Das ist mit Fingerspitzengefühl und Erfahrung verbunden, die man zu Hause schlicht nicht hat.
Behandlung: was die Praxis macht
Wie behandelt wird, hängt von der Stufe ab. Bei einem reinen Stau reicht meist das fachgerechte Entleeren, oft kombiniert mit dem Tipp, die Fütterung anzupassen. Bei einer Entzündung wird der Beutel gespült und je nach Befund mit einer entzündungshemmenden oder antibiotischen Behandlung versorgt, teils direkt in die Drüse eingebracht. Ein Abszess muss geöffnet, gespült und ausbehandelt werden, hier kommen fast immer Schmerzmittel und Antibiotika zum Einsatz.
Bei Hunden, die trotz guter Fütterung immer wieder Probleme haben, wird die Ursache genauer gesucht. In seltenen, hartnäckigen Fällen kann die Tierärztin über eine operative Entfernung der Analbeutel sprechen. Das ist der letzte Schritt und wird gut abgewogen, weil auch eine Operation in dieser Region Risiken trägt. Wichtig und ehrlich gesagt: Kein seriöser Rat verspricht dir eine Heilung per Hausmittel. Was du zu Hause tun kannst, ist vorbeugen und früh reagieren.
Vorbeugen: Ballaststoffe, Ernährung und Gewicht
Der wirksamste Hebel liegt beim Kot. Nur ein ausreichend fester, voluminöser Stuhl übt beim Absetzen genug Druck auf die Beutel aus, damit sie sich von selbst entleeren. Genau hier setzt die Vorbeugung an, und das deckt sich mit dem, was Quellen wie der American Kennel Club und die Cornell University empfehlen.
Mehr Ballaststoffe für festeren Kot
Ballaststoffe geben dem Stuhl Struktur und Volumen. Bewährt haben sich schonend zugegebene Faserquellen wie eingeweichte Flohsamenschalen oder reiner Kürbis (kein gewürztes Kürbispüree). Wichtig ist, langsam zu steigern und immer genug Wasser anzubieten, sonst kippt die Wirkung ins Gegenteil. Wenn dein Hund ohnehin zu weichem Kot neigt, findest du im Ratgeber zu Verdauungsproblemen beim Hund weitere Ansätze.

Gesundes Gewicht halten
Übergewicht ist ein unterschätzter Faktor. Zu viel Fettgewebe rund um den After erschwert die natürliche Entleerung der Beutel. Ein schlanker, gut bemuskelter Hund hat hier deutlich weniger Probleme. Regelmässige Bewegung und eine an den Bedarf angepasste Futtermenge zahlen also direkt auf gesunde Analdrüsen ein.
Verdauung im Gleichgewicht
Ständig wechselnder oder chronisch weicher Kot ist der Nährboden für Stauungen. Eine stabile, gut verträgliche Fütterung ist deshalb Teil der Vorsorge. Bei manchen Hunden mit empfindlichem Darm kann eine gezielte Unterstützung der Darmflora sinnvoll sein, mehr dazu liest du in unserem Beitrag zu Probiotika für Hunde.
fester Kot + gesundes Gewicht = weniger Analbeutelprobleme
Fester Stuhl entleert die Drüsen auf natürliche Weise, ein schlanker Hund unterstützt das zusätzlich.
Wann du zur Tierärztin gehen solltest
Ein bisschen Schlittenfahren einmalig ist kein Notfall. Es gibt aber klare Situationen, in denen du nicht selbst herumprobieren, sondern fachlichen Rat holen solltest:
- Das Schlittenfahren oder Lecken hält länger als ein bis zwei Tage an oder kehrt immer wieder.
- Du siehst Blut, Eiter oder eine Schwellung neben dem After.
- Dein Hund hat sichtbar Schmerzen, jault beim Sitzen oder lässt sich hinten nicht mehr anfassen.
- Es geht Fieber, Abgeschlagenheit oder Appetitlosigkeit dazu.
- Die Probleme treten trotz angepasster Fütterung wiederholt auf.
Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Er hilft dir, die Zeichen früh zu deuten und gut vorbereitet in die Praxis zu gehen. Die Diagnose und Behandlung selbst gehören immer in fachkundige Hände.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich die Analdrüsen meines Hundes regelmässig ausdrücken lassen?
Nein. Ein gesunder Hund entleert die Beutel beim Kotabsatz von selbst. Ausgedrückt wird nur bei Symptomen und nach Absprache mit der Praxis. Routinemässiges Ausdrücken ohne Grund kann die Drüsen sogar reizen.
Kann ich die Analdrüsen selbst zu Hause ausdrücken?
Davon raten wir ab. Von aussen werden die Beutel oft nur unvollständig entleert, und falscher Druck kann die empfindliche Wand verletzen und eine Entzündung auslösen. Das gehört in die Tierarztpraxis.
Warum riecht mein Hund plötzlich streng und fischig?
Dieser typische Geruch stammt oft vom Analbeutelsekret, das ungewollt abgeht. Ein einmaliges Ereignis ist meist harmlos, ein anhaltender Geruch zusammen mit Lecken oder Schlittenfahren sollte abgeklärt werden.
Hilft Kürbis wirklich gegen Analdrüsenprobleme?
Reiner Kürbis liefert Ballaststoffe und kann den Kot fester machen, was die natürliche Entleerung unterstützt. Er ist eine sinnvolle Ergänzung zur Vorbeugung, aber kein Heilmittel bei einer bestehenden Entzündung.
Welche Hunde sind besonders betroffen?
Häufiger betroffen sind kleinere Rassen, übergewichtige Hunde und Tiere mit chronisch weichem Kot oder Allergien. Grundsätzlich kann es aber jeden Hund treffen.
Ist Schlittenfahren immer die Analdrüse?
Nein. Auch Würmer, juckende Haut durch Allergien oder Kotreste im Fell führen zum Rutschen auf dem Po. Deshalb lohnt sich bei anhaltenden Beschwerden die Abklärung.
Wann ist es ein Notfall?
Bei einer warmen Schwellung neben dem After, einer offenen, eitrigen Stelle, starken Schmerzen oder wenn der Hund zusätzlich matt ist und nicht frisst. Dann solltest du nicht abwarten.
Kleines Glossar
- Analbeutel: die zwei kleinen Säckchen links und rechts vom After, umgangssprachlich Analdrüsen genannt.
- Analbeutelsekret: das ölige, streng riechende Sekret, mit dem der Hund seinen Kot markiert.
- Stau: eingedicktes Sekret, das nicht mehr abfliesst, oft die erste Stufe eines Problems.
- Analbeutelentzündung: bakterielle Entzündung eines gestauten Beutels mit Schmerz und Rötung.
- Abszess: abgekapselte, eitrige Schwellung, die aufbrechen kann, der dringlichste Fall.
- Ballaststoffe: unverdauliche Faserstoffe, die dem Kot Struktur und Volumen geben.
Dieser Beitrag stützt sich auf tiermedizinische Fachquellen, unter anderem den Merck Veterinary Manual (2023), die Cornell University College of Veterinary Medicine und den American Kennel Club (2023), und ersetzt keine Untersuchung durch die Tierärztin.



